„JEDER IST ANDERS KOMISCH“

Einsteins Zeit in Schöneberg

einsteinSieben Zimmer mit üppigen Kristallleuchtern, schweren Teppichen, einer zarten Blümchentapete im Salon, bahaglichen Ohrensesseln und eleganten Biedermeierstühlen – so großbürgerlich lebten die Einsteins am BAYERISCHEN PLATZ. Natürlich gab es auch Platz für einen Notenständer, denn die Geige gehörte neben dem Segeln zu Einsteins liebsten Hobbys. Dreizehn Jahre lang bereicherte Albert Einstein nicht nur das wissenschaftliche Leben in Berlin, sondern zählte auch zu den Who is Who des kulturellen Berlins der zwanziger Jahre.

Max Plancks Faszination für den jungen Wissenschaftler beginnt 1911 auf einer Konferenz in Brüssel. Ab da reift in ihm der Plan, Albert Einstein für die Preußische Akademie der Wissenschaften zu gewinnen. Sein Plan geht auf, denn Einstein nimmt das lukrative Angebot gerne an. In Berlin sieht er nämlich die besten Chancen ebenbürtige Gesprächspartner für seine Relativitätstheorie zu finden. Außerdem sind die Arbeitsbedingungen verlockend: Ein üppiges Gehalt, freies Forschen, keine Lehrpflicht an der Universität und die Aussicht auf den Direktorenposten des Kaiser- Wilhelm-Instituts für Physik. So siedelt er 1914 von Bern nach Berlin und bezieht vier Jahre später die prachtvolle Wohnung im bürgerlichen Bayerischen Viertel.

Historische Fotos am Bayrischen PlatzSein Arbeitszimmer richtet er in dem Turmzimmer über seiner Wohnung ein. Dort kann er an seinem Schreibtisch am Fenster die nötige Ruhe finden, um sich in seine Materie zu vertiefen.

1919 heiratet er seine Cousine Elsa im Rathaus Schöneberg. Zusammen mit der Haushälterin sorgt sie für einen angenehmen Alltag in Einsteins Leben. Sie lässt seine Leibspeisen zubereiten: junge grüne Bohnen, Spargel und Eier und besorgt im nahen Café Wittelsbach Kuchen für die Gäste.

Bayerischer Platz zu Einsteins ZeitenDer Portier bringt die Besucher mit dem Fahrstuhl bis zur Wohnung. Im Salon der Einsteins diskutieren Intellektuelle und Künstler wie Charlie Caplin, Max Liebermann, Franz Kafka und Heinrich Mann und bekommen abends Sellerie-Bowle nach einem Rezept aus Elsas norddeutscher Heimat serviert.

Nach 1919 steigt Einsteins Bekanntheitsgrad rasant an, als britischen Physiker seine Theorie prüfen und bestätigen. Die Sensation ist groß. Zwar versteht sie kaum jemand, aber eine für die große Allgemeinheit unverständliche Theorie, die jedoch die Vorstellung von der Welt ändern soll reizt die Journalisten zum Schreiben. Albert Einsteins Popularität verbreitet sich in der ganzen Welt.

Eine lebenslange Eigenschaft von Einstein ist es, konventionelle Ansichten zu hinterfragen.

ER IST NEUGIERIG UND ALLEM NEUEN GEGENÜBER AUFGESCHLOSSEN.

So interessiert er sich auch für die Gestalttheorie nach Max Wertheimer und gehört dem Kuratorium des „Kreises der Freunde des Bauhauses“ an. Eine Initiative, die zur Rettung des Bauhauses in Weimar gegründet wurde.

1922 erhält er per Telegramm die Nachricht, dass ihm der Nobelpreis für Physik verliehen worden ist. Im selben Jahr tritt er auf Bitten von seiner Kollegin Marie Curie einem „internationalen Komitee für geistige Zusammenarbeit“ bei. Die Schrecken des 1. Weltkrieges sensibilisierten ihn so sehr, dass er sich intensiv für den Pazifismus einsetzt. Zusammen mit Sigmund Freud will er Vorschläge sammeln, wie der Mensch vom Krieg ablassen kann.

Ehemaliger Wohnort EinsteinTÖTEN IM KRIEG IST NACH MEINER AUFFASSUNG UM NICHTS BESSER ALS GEWÖHNLICHER MORD“.

Als die Nationalsozialisten 1932 an die Macht kommen nutzt Einstein die Gelegenheit einer Gastprofessur in Princeton, USA, um nie mehr nach Berlin zurück zu kehren.