100 Jahre Hirsch

 Der goldene Hirsch - Wahrzeichen von SchönebergAugust Gaul ist einer der großen Tierbildhauer des vergangenen Jahrhunderts. Sein GOLDENER HIRSCH ist nicht nur Schönebergern bekannt. Wir freuen uns, dass dieser als Wegweiser der Moderne geltende Künstler bereit war, über sein Wirken in Berlin zu sprechen.

WIR WAREN ALLE VOM DAMALS HERRSCHENDEN AKADEMISCHEN KUNSTBETRIEB ENTTÄUSCHT UND WOLLTEN ETWAS NEUES WAGEN.“

 

Das folgende Interview mit August Gaul ist fiktiv. Die Antworten beruhen auf Fakten.

 

August Gaul hat den goldenen Hirschen geschaffenHerr Gaul, wie sind Sie nach Berlin gekommen?

Ich bin gebürtiger Hanauer. Mit zwölf Jahren habe ich eine Lehre als Modelleur und Ziseleur in einer Silberwarenfabrik begonnen. Mit 19 – das war im Jahre 1888 – reichte mir Hanau nicht mehr aus und es zog mich in die Metropole Berlin.

Ihre Tierplastiken wirken frei von Kitsch und Pathos. Wie entwickelte sich Ihre Vorliebe für dieses Motiv?

In Berlin gewann ich eine Dauerfreikarte für den Berliner Zoo. Täglich saß ich da und zeichnete exotische Tiere wie Löwen, Bären, Affen und Widder. Mit 25 Jahren begann ich mein Studium bei Paul Meyerheim an der Akademie der Künste. Die Darstellung von Tieren gehörte zu seinen Stärken. Ein Jahr später war ich Meisterschüler bei dem Maler und Bildhauer Reinhold Begas, Sie kennen sicherlich seinen Neptunbrunnen. Ich machte Tiere, weil es mir Freude bereitete.

ICH MACHTE TIERE, WEIL ES MIR FREUDE BEREITETE!“

Dann kam es zu einem Bruch zwischen Ihnen und Begas.

Kaiser Wilhelm II schätzte die Arbeiten von Begas sehr und vergab viele Aufträge. Ich aber begann mich in eine andere Richtung zu orientieren. Bei einem Studienaufenthalt in Italien lernte ich Adolf von Hildebrand kennen, der zu dieser Zeit in Rom lebte. Seine Arbeit beeindruckte mich sehr. Hildebrand verzichtete auf alle überflüssigen Details, die zum Verständnis des Ganzen gar nicht brauchte.

Also ein Gegenpol zu Ihrem Lehrer Begas. Sie gründeten dann direkt nach Ihrer Rückkehr aus Italien im Jahr 1898 die Berliner Secession.

Ja, zusammen mit 65 anderen Künstlern. Wir waren alle vom damals herrschenden akademischen Kunstbetrieb enttäuscht und wollten etwas Neues wagen. Max Liebermann war der Präsident der Berliner Secession.

Ihr goldener Hirsch wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Können Sie einige Worte dazu sagen?

Der Hirsch ist das Wappentier von Schöneberg. Er erinnert an das Jagdschloss und die Wälder, die es hier früher gab. Die goldene Farbe symbolisiert den Reichtum, zu dem die hiesigen Bauern damals kamen. Die benachbarte Großstadt Berlin breitete sich ja immer mehr aus. Ich habe mich auf das Wesentliche konzentriert. Der Hirsch zeigt eine ruhige, typische Haltung. Ich wollte nie die Natur bloß imitieren, sondern das Typische und ihren seelischen Kern festhalten.

Damit zeigten Sie viele Merkmale der beginnenden Moderne. Vielen Dank für das Gespräch.